Freitag, 26. April 2019

Ausgabe / Logistik und Fördertechnik

Die Kunststoffindustrie gerät unter Druck

25.01.2019
Artikel Nummer: 702
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Schluss mit dem Berg von Plastikmüll

Das Schweizerisches Verpackungsinstitut diskutiert EU-Anforderungen: Der Kunststoffeinsatz soll minimiert, aber die Lebensmittelsicherheit im Blick behalten werden.


Mehr als 120 Personen nahmen Mitte Januar an einer Fachtagung des Schweizerischen Verpackungsinstituts SVI zu künftigen Anforderungen an Lebensmittelverpackungen vor dem Hintergrund der so genannten EU-Plastikstrategie teil. Experten der Europäischen Kommission, von Nestlé, Migros, dem Bundesamt für Umwelt, Swiss Recycling und aus der Wissenschaft nahmen dabei die Rahmenvorgaben der EU aus verschiedenen Blickwinkeln unter die Lupe.  Bis zum Jahr 2030 sollen nur noch wiederverwendbare oder rezyklierbare Kunststoffverpackungen auf den Markt kommen. Damit gerät die Kunststoffindustrie unter Druck, betroffen ist aber auch die Lebensmittelindustrie, die in besonderem Masse auf die Vorteile von Kunststoff­verpackungen angewiesen ist.

Boris Riemer, Rechtsanwalt aus Lörrach, erläuterte die EU-Strategie. Plastikmüll werde in den Industriestaaten hergestellt, aber in den Entwicklungsländern entsorgt. Zwar erkenne die EU die Vorteile von Kunststoffverpackungen an, doch angesichts des weltweit zunehmenden Bedarfs an Verpackungen halte die EU ihre Mitgliedstaaten nun dazu an, Alternativen für Kunststoff, bessere Recycling­möglichkeiten, Wege zur Wiederverwendung der Materialien und für die Einsparung von Material zu suchen. Riemers Meinung nach bedeutet die EU-Plastikstrategie „kein Aus für - aber einen anderen Umgang mit Kunststoff“. Die Vorgaben der EU seien für die Schweiz zwar nicht zwingend, allerdings sei sie auf die EU-Staaten als wichtigste Handelspartner angewiesen und könne sich deshalb nicht abschirmen.

Laut Hugo Maria Schally, „live“ aus Brüssel hinzugeschaltet, soll die Recyclingquote von Kunststoffen von derzeit knapp 30% auf 50% bis zum Jahr 2025 und weiter auf 55% bis zum Jahr 2030 wachsen. Schon ab 2021 sollen Einwegbesteck aus Plastik, Wattestäbchen und Trinkhalme aus Plastik verboten werden, ebenso wie die sogenannten oxoabbaubaren Kunststoffe. Dazu kommen Vorschriften zum Produktdesign. Auf die Frage aus dem Publikum, ob sich die EU nicht zu sehr auf das Recycling und zu wenig auf die Ökobilanzen konzentriere, antwortete Schally, dass Fragen der Materialminimierung weiterhin im Fokus stünden, genauso wie die Weiter- und Wiederverwertbarkeit. Magdi Batato, Executive Vice President und Head of Operations von Nestlé erklärte, dass sein Unternehmen ab 2025 ausschliesslich rezyklierbare oder wiederverwendbare Verpackungen verwenden wolle.  Jasmin Buchs, Projektleiterin Nachhaltigkeit beim Migros-Genossenschafts-Bund, berichtete über rezyklierbare Verpackungen, Mehrweglösungen, den Einsatz nachwachsender Rohstoffe anstelle von Plastik sowie die Sammlung und Entsorgung von Plastik. Darüber hinaus setze man auf die Information und Aufklärung der Konsumenten. Professor Rudy Koopmans, Direktor des Plastics Innovation Competence Centre in Fribourg, nennt Proteine aus der Milch oder aus Hühnerfedern, die beispielsweise für die Herstellung von Barrierefolien verwendet werden könnten. Wie sich die Verpackungswelt in den nächsten Jahren durch die EU-Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft verändern wird, wisse niemand, sagte Philippe Dubois, Präsident des SVI, in seinem Schlusswort und dankte Karola Krell, die die Tagung moderiert hatte. Die Branche werde sich aber intensiv mit dieser Herausforderung auseinandersetzen und aktiv Lösungen suchen.


 

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