Sonntag, 20. Mai 2018

Ausgabe / Logistik und Fördertechnik

Zwei CNC-Zentren leisten Aussergewöhnliches in der Produktion

01.05.2018
Artikel Nummer: 603

Robuste Verpackung sorgt für den entscheidenden Vorteil

Mit einem guten Teil Schweizer Industriegeschichte im Herzen treibt die Optimo Gruppe in Winterthur den Ausbau ihres Logistik- und Verpackungsangebotes voran.


«Alles nur gesund zu schrumpfen ist nicht der richtige Weg», meint Peter Uhlmann, CEO und einer von zwei Inhabern des Dienstleistungsanbieters Optimo Service AG. Immerhin entstand das Unternehmen 2001 aus einem solchen Prozess der Verkleinerung heraus - einem Management-Buyout aus dem Sulzer-Konzern. «Wir tragen einen Teil Schweizer Industriegeschichte in unserem Herzen», sagt Uhlmann. «Darauf sind wir stolz». Mittlerweile besteht das gesunde Unternehmen aus über 250 Mitarbeitenden und gegen 20 Lernenden in sechs verschiedenen Geschäftsbereichen. Und das Wachstum schreitet weiter voran: Eine der vielversprechendsten Übernahmen, die Optimo kürzlich tätigte, ist die Eingliederung des Verpackers Thurpack mit seinen 20 Mitarbeitenden in den Geschäftsbereich Optimo Logistics, geführt von Werner Toth. Nebst der Logistik bilden Bereiche wie Betriebstechnik, IT-Lösungen, Druck- und Versandlösungen sowie Vermietung von ausgebildeten Fachkräften die Optimo Gruppe.

Insgesamt, sagt Uhlmann, sei das eine seit fast 18 Jahren währende Erfolgsgeschichte, «in der jeder der einzelnen Bereiche mit Erfolg auch ein eigenständiges KMU sein könnte».

Optimo Logistics bietet mit rund 100 Fachkräften an den Standorten Winterthur und Zürich umfassende Logistik-Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette an: Von der Verpackung über die Lagerung bis hin zu nationalen und internationalen Transporten. Seit Herbst 2017 verstärkt die Thurpack den Verpackungsbereich. Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern waren in Aadorf Verpackungslösungen realisiert worden, die nun mit dem ersten Quartal 2018 nach Oberwinterthur verlegt wurden. Eine langgestreckte Produktionshalle wurde aus dem Dornröschenschlaf erweckt, um künftig auch mit zwei Holzbearbeitungszentren im CNC-Verfahren Holzverpackungen herzustellen. Aber nicht nur das - die Maschinen leisten Aussergewöhnliches in der massgenauen Produktion von Exportverpackungen und bei Bedarf auch als Zulieferer für die Bauindustrie und ganz spezielle Produkte. Uhlmann deutet auf einen feinsäuberlich übereinander geschichteten Stapel von Holzpanelen, die sich als sorgfältig aufbereitete Teile einer Akustikdecke erweisen. Am Bildschirm des Kontrollpults lassen sich sämtliche Details der benötigten Bohrungen per Tastatur voreinstellen, Stückzahlen, Längen und Tiefen bis auf den Millimeter genau einstellen.

Die grössten «Packstücke», die bei Optimo Logistics in zurückliegenden Jahren gefertigt wurden, erreichten bisweilen 150, mitunter auch Rekordwerte von bis zu 230 Tonnen. Geschäftsführer Werner Toth und seine Mitarbeitenden haben dann alle Hände voll zu tun, Strecken, Strassen, Wege mit Polizei und Verkehrsbehörden abzustimmen, die Tragfähigkeit von Brücken zu erkunden und Kurvenradien zu ermitteln, die das Transportgut vor «Mitnahme-Effekten» an Hauskanten und Erkern bewahren. Eine Frage der Philosophie ist es für manche Auftraggeber inzwischen, ob sie wertvolle Antriebsteile, empfindliche Treibstoffzuführungen und Leitungsteile «am Stück», also bereits fertig vormontiert - und somit wesentlich aufwändiger zu verpacken - oder in Einzellieferungen spedieren lassen. Denn Spezialumhüllungen und Schutzverpackungen, die sensible Konturen schützen müssen, sind auch für sich allein genommen nicht mehr unter der Kategorie «billig» einzuordnen. Anforderungen an den Korrosionsschutz kommen hinzu. Ob «Vollholz» oder besseres «Sperrholz» ist oft nicht mehr die Frage, wenn vor Ort die Funktionsfähigkeit des Transportgutes insgesamt garantiert werden muss und zudem versicherungstechnische Fragen zu berücksichtigen sind. «Wenn wichtige Bauteile nur deshalb durch leichteres Material geschützt werden sollen, damit ein paar Franken eingespart werden können», erklärt Toth, «machen wir den Kunden schon mal darauf aufmerksam, dass sich der niedrigere Kostenaufwand möglicherweise auch rächen kann, wenn bei der Handhabung auf fremden Kontinenten nicht die nötige Sorgfalt eingehalten wird». Die Problematik des korrekten Zusammenbaus am Zielort noch gar nicht eingeschlossen.

Zu den Referenzen gehören neben Burckhardt Compression auch namhafte Unternehmen wie Stadler und Rheinmetall. Toth: «Da können wir nicht einfach die Teile nehmen und eine schöne Kiste drumherum bauen». Spezifische Anforderungen an die rutschfeste Verankerung innerhalb der Verpackung, Verstrebungen und Knickfestigkeit gehören zum selbstverständlichen Anspruch auf schadensfreien Transport. Vorallem auch dann, wenn das Transportgut einen hohen materiellen aber auch immateriellen Wert hat wie beispielsweise Kunstgegenstände und Bilder.

In der generalsanierten Halle für den Verpackungsbau ist Platz für Aufträge in neuen Märkten. Die leistungsstarken Holzbearbeitungszentren erleichtern diesen Zugang. Die Optimo Gruppe hat siebenstellige Summen investiert, um vom Zusammenwirken der unterschiedlichen Bereiche zu profitieren. «Darin liegt unsere Chance», sagt Uhlmann. Eingedenk der Vorteile, die sich in diesen Tagen durch die Verknüpfung von Logistik, Produktion und IT zu Industrie 4.0 und neuen Geschäftsmodellen ergeben, könnte die Entwicklung dem Fleissigen, der unermüdlich die Innovation sucht, Recht geben.

 

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