Montag, 18. Dezember 2017

Ausgabe / Logistik und Fördertechnik

„Ohne die KTI gäbe es uns gar nicht mehr“

21.09.2017
Artikel Nummer: 490

Parallelorganisation überflüssig?

Wirtschaftsdepartement verteidigt Millionen für Piratenstück / GS1 und ASTAG über mangelnde Wahrnehmung und vermeintliche "Vermittlungsdefizite" zwischen Forschung und Wirtschaft verwundert.


Kritische Geister in der Bundesversammlung sind auf den Fall der denkwürdigen Subventionierung des Logistikverbandes vnl als Quasi-Belohnung für die Raubkopie eines Events aufmerksam geworden (siehe KTI-Interview „Kudelski regt zu mehr Risikofreude an“), für den – wie berichtet - ohne Rücksicht auf Urheberrechte bereits Benedikt Weibel und Ogi als Aushängeschilder herhalten mussten. Nationalrat Christian Imark, Fraktionskollege von Adrian Amstutz, Nationalrat und Zentralpräsident des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbandes ASTAG, interessierte am Mittwoch vergangener Woche vor allem der Grund für die staatliche Finanzierung von Parallelorganisationen. In einer Fragestunde wollte er wissen, warum denn die KTI den Verein Netzwerk Logistik (VNL) mit jährlichen Zahlungen unterstütze, obwohl dessen Themen bereits durch Verbände wie ASTAG, GS1 Schweiz (Kompetenzzentrum für effiziente Wertschöpfung im Bereich Supply Chain), SpedLogSwiss, den Verband der verladenden Wirtschaft (VAP), die Schweizerischen Industrie- und Handelskammern, den Swiss Shippers Council (SSC) und die Vereinigung für Schifffahrt- und Hafenwirtschaft (SVS) wahrgenommen würden. Imark erfragte zudem, wieviel Gelder bislang flossen.

Das Wirtschaftsdepartement, unter dessen Dach die KTI agiert, räumte ein, dass der Verein Netzwerk Logistik „ausschliesslich der Förderung der wissenschaftsbasierten Innovation zwischen der öffentlichen Forschung und der Schweizer Wirtschaft“ dienen solle. Dies entspreche dem gesetzlichen Förderauftrag. Die anderen Organisationen (also GS1, SSC, ASTAG, VAP und Handelskammern, Anm.d.Red.), seien „nicht mit Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft befasst“. Aufgrund dieses „Alleinstellungsmerkmals“ und „Mehrwerts“ habe die KTI den vnl von 2013 bis 2016 mit 195 000 Franken pro Jahr unterstützt. Von 2017 bis 2020 seien Beiträge von 350 000 Franken pro Jahr vorgesehen: „Diese beinhalten einen Sockelbetrag von 175 000 Franken sowie weitere Beiträge in Abhängigkeit der Summe der Mitgliederbeiträge des Vereins sowie der Kundenzufriedenheit“. Die Förderung ende spätestens 2020.

O-Ton des vnl-Präsidenten aus einem Dokument, das bei der Beantragung neuerlicher Fördergelder für 2017 bis 2020 neben dem raubkopierten Event einer „Hall of Fame“ als herausragender Grund für weitere Fördermittel diente: „Ohne die KTI gäbe es uns gar nicht mehr“. Das wäre möglicherweise auch die sinnvollere Lösung gewesen, als davon eine „Geschäftsstelle“ und teure Printformate ohne nennenswerte Leserzahlen zu finanzieren. Das Wirtschaftsdepartement sah die Sache damit als „erledigt“ an. Der Nationalrat nicht.

 

www.parlament.ch/de Sucheingabe:175372 Imark

 

sowie


https://www.kti.admin.ch/dam/kti/de/dokumente/ErfolgsgeschichtenundPublikationen/SuccessStories


 

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